Warum meine Bulimie keine Ess- sondern Stressstörung war!

von Bernadeta Salini (Kommentare: 0)

Ich erinnere mich an eine Frage, die mir von einem Freund vor genau einem Jahr gestellt wurde. Er fragte mich: „Benia, warum machst du das alles, warum willst dich unbedingt verändern? Du hast dich schon sehr verändert, reicht es dir nicht?“. Ich antwortete: „Ich möchte einfach anders denken, als bisher. Ich möchte mich nicht mehr aufregen müssen und gelassener sein, beispielsweise wie mein Mann. Ich möchte keine Knöpfe mehr an mir haben, die andere Menschen nach Belieben drücken können“. Ich wollte neue, positivere Gedanken entwickeln und meine Aggression reduzieren. Das war mir soweit klar. Während meiner Bulimie-Zeit, hatte ich sehr viel Stress. In vielen Situationen reagierte ich übertrieben und schämte mich oft dafür. Selbst bei meinen Kindern passierte mir dies. Damals konnte ich diesen inneren Stress weder verstehen noch zuordnen. Es gehörte einfach zu mir und er war normal. Eins war mir zu dieser Zeit jedoch bereits klar, ich wollte das so nicht mehr. Ich wollte mich nicht mehr so leicht aus der Ruhe bringen lassen. In der Öffentlichkeit funktionierte ich natürlich bestens. Ich konnte „mein Inneres“ sehr gut verstecken. Ich war nett, freundlich, zeigte Verständnis, machte Witze und lächelte. Erst zu Hause dürfte ich meine Maske ablegen und meine wahren Gefühle zeigen. Diese Gefühle, die ich keinem anderen Menschen zeigen durfte, denn die Angst mein wahres Ich zu zeigen, war einfach zu groß. Es war die Angst vor Ablehnung… heißt es in der Psychologie. In den letzten drei Jahren meiner Bulimie beobachtete ich meinen Körper und seine Reaktionen auf die Außenwelt und das Geschehen um mich herum. Eines fiel mir in dieser Zeit sehr häufig auf. Mein Körper reagierte auf bestimmte Auseinandersetzungen mit Frauen oder Männern immer gleich, immer „gestresst“. Ich stellte fest, dass die Geschichten der Auseinandersetzungen oft sehr ähnlich waren. Anfangs dachte ich, es wäre irgendeine Flucht oder ich hätte einfach Pech. Ich frage mich: „warum passiert das immer nur mir?“. In diesen Situationen bereitete sich mein Körper auf Kampf oder Flucht“ vor, wie in der Steinzeit. So, als müsste ich gleich weglaufen oder angreifen. In diesem Moment gab es für mich nur diese zwei Möglichkeiten. Alles war irgendwie fremd gesteuert. Ich gab nicht nach und recherchierte. Erst mal wollte ich herausfinden, ob in meiner Vergangenheit etwas passiert ist, wovon ich nichts mehr wusste, was ich eventuell erfolgreich verdrängt hatte und was mit meinem „unbewussten Stress“ etwas zu tun haben könnte. Meine Kindheit war nicht so rosig und ich träumte oft davon, entführt zu werden! Als ich klein war, erlebte ich viel körperliche Gewalt und als ich etwa 10 war, begann die mentale und emotionale Gewalt. Meine Eltern verstanden sich nie gut. Sie stritten viel und lebten eigentlich neben- statt miteinander. Egal was ich tat, war nie genug für meinen Vater. Die Noten, die Klamotten, die Freunde, meine dreckigen Socken, die Haare, das was ich gesagt hatte, musste immer eine Begründing haben und auch meine Malbilder hätte ich laut ihm besser machen können. Ich musste immer leise sein. Sonst wäre Papa ins Zimmer reingedonnert und hätte uns angeschrien. Ich hatte Angst zu Hause von etwas zu berichten, auch wenn mir etwas unangenehmes oder sogar scheckiges passiert war. Ich erinnre mich an einen Sommertag, als ich und meine damalige Freundin im Park waren und von einem Mann angesprochen wurden. Ich wusste in diesem Moment, dass ich es nicht darf und rannte weg. Dieses Ereignis begleitete mich sehr lange und ich träumte davon fast jede Nacht. Ich hatte panische Angst, wenn ich alleine unterwegs war. Aber ich traute mich nicht, etwas darüber meinen Eltern zu erzählen, denn ich wusste, dass sie mich dafür beschuldigt hätten, mich ansprechen zu lassen und ich Prügel bekommen hätte. Ich machte das lieber mit mir selber aus, als meine Eltern zu enttäuschen. Selbst das gemeinsame Essen brachte mir immer Stress. Ich wollte nie Fleisch essen. Meine Eltern zwangen mich immer wieder dazu und ich „durfte“ am Tisch „nachsitzen“ bis der Teller leer war. Manchmal versteckte ich das Essen in der Hosentasche. Bei einem Schweineschnitzel funktionierte dies gut. Bei anderen Fleischgerichten saß ich so lange da, bis ich weinte und Übelkeit und Bauchweh vortäuschte. Es dauerte manchmal eine Stunde.

Die Angst alles falsch zu machen begleitete mich bis ins Erwachsenenalter. Ich hatte Angst vor dem Erwachsen sein. Ich hatte große Angst vor dem Leben. Mit 16 kam Sie, meine Bulimie. Sie war mein Ventil. Sie war immer für mich da und half mir in stressigen Situationen. Ich machte Sie zu meiner einzigen Freundin. Wir waren unzertrennlich bis zu meinem 35 Lebensjahr. In dieser Zeit konnte ich kaum mit Schwierigkeiten umgehen und suchte nach Geborgenheit und Verständnis in Süßigkeiten. Ich war emotional sehr unreif und konnte mit Problemen nur mit Hilfe der Bulimie umzugehen. Das innere, unerfüllte Loch in meinem Bauch, kommunizierte mit einer Art „innerer Druck“ mit mir, der nun die „Luft raus lassen wollte“…

Essstörungen sind meiner Erfahrung nach, keine Ess- sondern Stressstörungen. Es gibt ein Teil in uns, der unbedingt „gefüttert“ werden möchte. Ein Teil, der nach den Grundbedürfnissen wie Geborgenheit, Zuneigung, Liebe, Sicherheit schreit. Wenn diese Grundbedürfnisse z.B. in unserem Kindesalter nicht befriedigt werden, suchen wir als erwachsene Menschen, diesen Ersatz im Essen und zwar im hochbelohnendem Essen, was uns ein Wohlfühlgefühl und Geborgenheit vermittelt. Dieses Gefühl wird erzeugt durch den Verzehr von industriell verarbeiteten Lebensmitteln, oft stark Zuker und Fett lastig, was unser Belohnungssystem aktiviert.

Hier möchte ich einige Erkenntnisse von Inke Jochims, die in ihrem Onlinekurs „Bulimie und Binge Eating überwinden“ Stress folgendermaßen beschreibt und unterscheidet, naher bringen:

 

„Stress entsteht, wenn Anforderung an eine Situation größer ist, als die Fähigkeit bzw. die verfügbare Energie, um diese Situation zu bewältigen.“

Stress ist nicht ein Ereignis, sondern die Reaktion des Körpers und des Gehirns desjenigen, der ein bestimmtes Ereignis erlebt (auch schöne Erlebnisse können daher Stress auslösen).

Als ich mich mit dem Thema Stress auseinandergesetzt habe, bemerkte ich, dass ich in stressigen Situationen keinen oder vermehrten Hunger auf Süßes hatte. Ich erinnere mich an einen Fall, als ich mit der Familie im Urlaub war und meine Tochter mit 2 Jahren ohne Schwimmflügel ins Schwimmbecken gefallen ist. Ich weiß nicht wie schnell ich hinlief, um sie zu retten, aber ich wusste ganz genau, was ich in diesem Moment machen musste. Als ich meine Tochter unter Wasser sah, passierte etwas, mir wohl schon bekanntes, in meinem Körper. Er war voller „Adrenalin“. Ich hatte jedenfalls keinen Gedanken an Essen verloren. Auch Stunden danach hatte ich keinen Hunger und aß nichts. Das war ein akuter Stress, der in jenem Moment passierte. Dieser Stress löscht alles aus, was unser Überleben in dieser wahrgenommenen Weise bedroht. In der Steinzeit, war es beispielsweise der Moment, wenn man vor dem Bären weglaufen musste. Es geschieht sehr schnell und man muss sich der veränderten Situation sehr zügig anpassen.

Bei akutem Stress geschieht folgendes:

- Die Adrenalinausschüttung wird gesteigert, das triggert die Kampf- oder Fluchtreaktion.

- Der Herzschlag wird gesteigert.

- Der Blutzuckerspiegel steigt massiv an. Dafür wird Muskelprotein in Zucker umgewandelt, wir bauen also Muskel ab.

- Das Immunsystem wird kurzfristig besser.

- Das Kurzzeitgedächtnis wird kurzfristig ebenfalls besser. Plötzlich können wir uns an alles sehr gut erinnern, bspw. wo die Notausgänge sind, was um uns herum passiert ist.

- Bei akutem Stress verlieren wir den Appetit und essen während der akuten Stressphase nichts.

- Der Körper fokussiert sich vollständig darauf, der Situation zu entkommen!

Am nächsten Morgen schließlich, begann ich, mir über die Situation am Pool Gedanken zu machen und machte mir Vorwürfe. Warum hatte ich es nicht gemerkt, dass meine Kinder sich entfernt hatten? Warum musste ich in meinem Wohnwagen saugen und habe somit nicht gehört, als mein Sohn sagte, dass sie jetzt ans Pool gingen? Diese ständigen, negativen und vorwurfsvollen Gedanken begleiteten mich einige Tage. Der innere Druck wurde immer größer und führte dazu, dass ich immer mehr Lust auf Süßes bekam und es kaum kontrollieren konnte. Ich hatte Heißhunger. Meine Gedanken drehten sich nur noch ums Essen und darum, wie ich es nun heimlichtun könnte. Ich ging einkaufen und plante meine Rituale sorgfältig. Mal wollte ich alleine Spazierengehen, mal alleine im Wohnwagen lesen. Hauptsache, ich konnte mich ungestört mir Keksen und Schokolade vollstopfen. Dies war so typisch für mich. Damals kam ich mit solchen Situationen nicht zu recht. Ich konnte es mir einfach nicht erklären, dass die Dinge passieren, wie sie eben passieren und dass man aus jeder Situation lernen kann. Ich reagierte immer auf die gleiche Weise, nämlich mit Selbstvorwürfen. Es gab keine Möglichkeit, etwas „Verständnisvoller“ für mich selbst zu sein. Ich musste mich immer bestrafen, denn ich hätte es ja ahnen und verhindern können oder in meiner Wahrnehmung sogar müssen. Diese Gedanken wurden „chronisch“ und das ist einer der Gründe, warum mein emotionaler Zustand zu einem biochemischen Ungleichgewicht in meinem Gehirn und Köper führte.

Folgendes passiert unter anderem mit dem Körper, wenn man unter dauerhaften negativen gedanklichen Stress ist. Dieses passiert nicht nur Menschen, die an Bulimie leiden, sondern auch bei Menschen ohne Essstörung:

 

- Chronische (dauerhafte) Stressoren müssen nicht massiv oder groß sein.

- Stressoren, die chronischen Stress auslösen, müssen konsistent und wiederholt auftauchen.

- Alle täglichen Stressoren zählen darunter, alle ungewollten seelischen Konflikte, das Gefühl, nicht gut genug zu sein, das Gefühl, nicht gewirtschaftet zu werden.

- Finanzielle Probleme.

- Nie genug Zeit, für das, was man tun möchte.

- Unverarbeitete Traumata.

- Ständig nagendes Gefühl von Stress oder Unwohlsein.

 

 

Bei chronischem Stress geschieht folgendes:

 

- Das Immunsystem wird durch die ständige Überforderung schwächer und schwächer.

- Kognitive Funktionen lassen nach, die Entscheidungen, die wir treffen werden immer schlechter.

- Wir werden unsensibler für den Stressor, wir gewöhnen uns an den Stressor.

Eine schon lange bekannte Wirkung von Stress ist, dass wir anfangen, die Verhaltensweisen, die eigentlich gut für uns sind, also Sport, gesundes Essen, Meditation etc. wegzulassen und durch destruktive Verhaltensweisen zu ersetzen. Wir verlieren den Fokus auf unser Ziel. Der Körper versucht Energie zu sparen und greift zu kranken Verhaltensweisen, die kurzfristig das Überleben sichern!

Ich wollte also lernen mit Stress auf normale Weise umzugehen. Ich lass viele Bücher über „Loslassen“ und Emotionen. Auch über Familienkonflikte las ich und wie man damit am besten umgehen kann. Ich löste Stück für Stück alle alten inneren negativen Überzeugungen auf. Ich brachte mir bei, wie man zuhört, anstatt zu sprechen. Es war ein tolles und „beruhigendes“ Erlebnis.

 

Inke Jochims Theorie:

 

Wenn wir also beginnen, unseren emotionalen Stress aufzulösen, dann können wir die Bulimie beenden. Die beiden wichtigsten Hormone (Gegenspieler) in diesem Spiel sind:

 

a.) Cortisol b.) Somatropin (Wachstumshormon)

 

Bei Cortisol Ausschüttung wir das Körperfett gesteigert und die Muskulatur vermindert. Das ist der Grund für Heißhunger und Gewichtszunahme.

Schlechte Muskulatur = schlechte Versorgung des Gehirns mit Serotonin. Dieser Botenstoff spielt eine sehr große Rolle in unserem Wohlbefinden und dessen Mangel kann zum Suchtverhalten führen. Je niedriger der Serotoninspiegel, umso mehr Heißhunger und Lust auf Süßes.

Je mehr Muskeln wir verlieren, desto schneller nehmen wir zu – bauen Fettpolster auf. Wenig Muskulatur – wenig Energie, umso mehr Stresshormone produziert der Körper.

Bei Ausschüttung des Wachstumshormons Somatropin wird das Körperfett vermindert und der Muskelaufbau gesteigert. Je mehr Cortisol im Körper vorhanden ist, desto weniger des Wachstumshormons ist vorhanden und umgekehrt. HGH – Human Growth Hormon, oder auch Somatropin wirkt überall im Körper.

Wenn man abends schlafen geht, wacht die Hypophyse auf. Die kirchkerngroße Hormondrüse an der Schädelbasis produziert mehrere Hormone – auch HGH, eine Kette aus 191 Aminosäuren. Diese Werte sinken bei erhöhter, chronischer STRESSBELASTUNG!

 

Stressoren sind entweder:

 

- Bekannt

- Vorbewusst

- völlig unbewusst

 

Es gibt bekannte emotionale Stressoren (z.B. Stress am Arbeitsplatz).

Viel wichtiger sind aber die unterbewussten, emotionalen Stressoren, also genau diejenigen, die dir nicht bewusst sind. Und genau das sind die Stressoren, die entscheidend für Bulimie sind. Der wichtigste Grund für chronischen Stress im späteren Leben sind bestimmte Formen der Interaktion in dysfunktionalen Familien. In diesen Familien werden emotionale Grundbedürfnisse (manchmal auch physische Grundbedürfnisse) nicht erfüllt. Dies führt zu chronischem Stress im späteren Leben.

Chronischer Stress löst über das Hormon Cortisol chronisch Hunger aus. Vor allem Appetit auf Zucker, Salz, Fett (Süßes, Fleisch, Brot etc.). Dies wiederum löst das Bedürfnis aus, das Essverhalten zu kontrollieren. Die Ursachen für das Problem werden in der Beziehung zum Essen vermutet, nicht im völlig unbewussten „Stress“, ausgelöst durch unterdrückte Erinnerungen.

Wahr ist, ohne stressauslösende Erinnerungen zu heilen, kann das Problem nicht geheilt werden.

 

Warum Bulimie funktioniert.

 

Essen reguliert die Emotionen.

Essen sorgt dafür, dass das Hormon OXITOCIN ausgeschüttet wird. Das geschieht bevor das Essen verstoffwechselt wird.

OXITOZIN – Bindungshormon, man fühlt sich beruhigter, weniger einsam, wenn es ausgeschüttet wird. Das Gehirn schüttet, vor allem bei belohnendem Essen, viel Dopamin aus, dies wirkt belohnend. Das geschieht bereits, wenn man etwas gegessen hat.

Der Serotoninspiegel wird gesteigert, auch durch die Wirkung des Essens, bevor es verstoffwechselt wird.

Beim Erbrechen werden Endorphine ausgeschüttet, diese wirken schmerzstillend.

 

Diese Aspekte machen süchtig!

 

Es kommt zu einer erhöhten Aktivität des Parasympathikus. Man beruhigt sich evtl. ins Koma. Erregungszustände, ausgelöst durch eine zu hohe Sympathikusaktivität, werden beruhigt.

Bulimie ist Selbstregulation und das Stoppen einer zerstörerischen Stressreaktion. Das Gehirn hat gelernt, beim Austauschen bestimmter Emotionen, automatisch zu Essen zu greifen.

Essen ist die Rolle eines symbolischen Substituts geworden.

Dieser Zusammenhang muss wieder aufgelöst werden. Emotionen regulieren ohne Essen.

Als ich mich mit der Biochemie des Gehirns auseinandergesetzt habe und über die Botenstoffe forschte, deren Produktion, Funktionen und über den Mangel, der, wie ich herausfand, bei mir zu 100% vorhanden war, entdeckte ich auch, dass ich von bestimmten Lebensmittel abhängig war. Endlich war ich angekommen. Ab diesem Moment spürte ich, dass ich mich auf der richtigen Spur befand. Durch viele mentale Techniken konnte ich einige, in mir verbogene und verdrängte Kindheitstraumata entdecken und für mich lösen. Alle meine „inneren Spannungen“ hängten mit einem schon vergessenen Trauma aus der Kindheit zusammen. Ich hätte nie gedacht, dass mein Körper so clever sein kann und mich noch nach so vielen Jahren und vor allem unbewusst, vor diesem Trauma beschützen wollte, in dem er die Botenstoffe für den Kampf oder die Flucht ausschüttete. Dies wiederum führte zu den unerträglichen Heißhunger-Attacken. Das war die Antwort. Ab jetzt lehrte ich meinen Körper, auf „erwachsene“ Weise mit Stress umzugehen.

Als ich 2014 in eine tiefe Depression fiel, stellte ich mir einigen Fragen. Warum bist du hier gelandet Benia und was wirst du jetzt machen? Ich wusste, dass ich aus Angst vor Schmerz, sehr viel schlechte Kindheitserinnerungen verdrängt hatte. In dieser dunklen Zeit wollte mein Schutzmechanismus nicht mehr funktionieren. Selbst die Bulimie gab mir keine Erleichterung mehr. Alles was ich für die Regulation meiner negativen Emotionen praktiziert habe, hatte ihre Macht verloren. Nun war ich „depri“, was nicht einmal mein Mann verstehen konnte. Ich konnte keine Entscheidungen treffen, alles fühle sich wie ein Zwang an, der kaum auszuhalten war. Ich suchte Ausreden für mein „Nichtstun“ und vegetierte vor mich hin. Ich begann mein Leben zu hinterfragen und meine kindlichen Erinnerungen ans Tageslicht zu holen. Es war nicht einfach und sehr schmerzhaft. Aber ich wusste, das ist der Weg! Als ich so weit war und mein „innerer“ Stress verschwand, verabschiedete ich die Bulimie. Auf ein Mal. Ab diesem Moment war ich frei und selbstbestimmt. Ich hatte mir einige mentale Techniken angeeignet, mit denen ich jede bewusste und auch unbewusste Stresssituation meistern konnte. Ich befreite mich von allen Lebensmitteln, die mich getriggert hatten und ersetzte diese durch „lebendige Nahrung“ und dies mit durchschlagendem Erfolg! Endlich fühlte ich mich lebendig! Meine Gedanken wurden positiver und der Körper ruhiger.

Heute habe ich einige Sätze für mich entdeckt, die mir dabei helfen, etwas liebevoller mit mir selbst zu sein: „Gott sei Dank, so und nicht schlimmer“ oder „Es passiert mir, damit ich daraus lernen kann“. Ich sehe alle unangenehmen Situationen als Geschenke und bin für jede „Niederlage“ sehr dankbar und froh, denn daraus kann ich lernen und wachsen.

 

 

„Man ist nicht gestresst, man lässt sich stressen“ Christian Bischoff, Motivationstrainer und Autor

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