Was macht eine erfüllte Partnerschaft aus und was nicht?

von Bernadeta Salini (Kommentare: 0)

Fangen wir mal von vorne an. Was bedeutet es verliebt zu sein? Was ist das für ein Zustand, den man Verliebtheit nennt? In der Schulzeit nennt man ihn „Schmetterlinge im Bauch“ und dort fühlt man es auch. Später im erwachsenden Alter oder zumindest ab der Pubertät, fühlen wir uns zum anderen Geschlecht körperlich angezogen. Aber wie kann man sich das wörtlich oder wissenschaftlich erklären? Was passiert mit einem Menschen, wenn er sich verliebt. Nüchtern betrachtet ist Liebe ein seltsames Phänomen. Verliebte Menschen benötigen kaum Schlaf, sie vernachlässigen ihre Freunde, sie bombardieren das Objekt ihrer Begierde mit SMS, sie kaufen sich neue Kleidung, duschen öfters und hängen die ganze Zeit nur zur Zweit rum. Wenn, sich erwachsende Menschen verlieben, verhalten sich wie Teenager. Kurzum: Sie sind nicht sie selbst.

Und es kurz zu fassen ist Verliebtheit ein Hormoncocktail, mit einem Haltbarkeitsdatum von zwei bis drei Jahren. Das Hormon, was für diesen Zustand verantwortlich ist, heißt Dopamin. Dopamin, häufig Glückshormon genannt, zirkuliert besonders dann, wenn Menschen eine Belohnung ersehnen oder erwarten. Ähnlich füllt sich das bei Menschen an, die Drogen konsumieren oder Glücksspiel betreiben. Doch ist Liebe mehr als eine Droge. Und keine Angst, wenn man von einer Person verlassen wird. Es gibt bei der Liebe zwar Liebeskummer und Liebesentzug, man braucht aber dafür keinen Therapeuten oder Medikamente. Nun gehen wir mal einen Schritt weiter.

Was passiert, wenn das Haltbarkeitsdatum des Hormoncocktails abläuft? Diesen Zustand nennt man Realität. Nach der Verliebtheitsphase kommt das wahre Leben. Es geht mit Enttäuschungen los und das vor allem bei Frauen. Frauen fangen an sich bei ihren Freundinnen über ihre Partner zu beschweren und zu erklären, warum sie so unglücklich sind: er macht mich nicht mehr glücklich, er interessiert sich nur für seinen Sport und Job, er geht nur mit seinen Freunden aus, er hat neulich den Hochzeitstag vergessen und ich habe fast ein Jahr lang keine Blumen mehr von ihm bekommen, er kümmert sich nicht um die Kinder, nur für seinen Job gibt er 100%, er will sich nicht ändern, er kritisiert mich ständig, er schätzt meine Arbeit nicht, er macht das alles absichtlich, um mich zu ärgern und der Sex… naja.

Warum ist es eigentlich so, dass wir Frauen so ein Bild von unseren Partnern haben? Als erstes sollten wir uns anschauen, wo wir unsere Vorstellungen von einem perfekten Partner hernehmen?

Haben wir das aus dem Fernsehen? Was wird uns in jedem Liebesfilm gezeigt und vorgemacht? „Und wenn, der Tod sie nicht scheidet, leben sie bis heute noch verliebt bis unter die Haarspitzen“. Aha, mit Sicherheit. Jeder Liebesfilm endet da, wo das wahre Leben beginnt, nämlich nachdem die Hormone wieder in den Normalzustand kommen und die Rosabrille, wie ein Vorhang runterfällt. Da sieht man der Partner zum ersten Mal nackt mit allen seinen Schwächen. Ja, ganz genau, mit allen Schwächen. Den dies ist erst jetzt. Denn bei Dopamin Ausschüttung steigt das Verlangen nach dem Menschen so stark, dass man alles andere ausblendet. So ähnlich wie in der Steinzeit, wo die Männer jagen mussten. Sie haben nur das verlangte Objekt, bspw. das gejagte Tier gesehen und nicht die Gefahren, die mit der Jagt einhergehen könnten. Aber das ist jetzt nun mal weg. Vorhang runter und die nackte Wahrheit steht vor der Tür. Wir sehen den Partner und fragen uns wer das ist? Er hat sich wohl sehr verändert? Er ärgert uns mit seinem ganzen Verhalten. Er räumt seinen Klamotten nicht auf, die Socken bleiben immer liegen, die Zahnpastatube ist nicht richtig ausgedrückt usw. Er macht Dinge, die wir nicht mögen und denken sogar, er würde es absichtlich machen. Und das schlimmste an der ganzen Situation ist, dass das erst der Anfang ist. Als nächstes geht es in den Kampf über. Kampf, um das Recht und Recht zu behalten. Krieg bricht aus. In dieser Zeit, bekommen die meisten Paare Kinder oder haben inzwischen einen Sprössling. Uns ärgert inzwischen nicht nur das Verhalten, sondern auch bestimmte Situationen. Sie wiederholen sich. Wie ein Boomerang kommt alles wieder und wieder zurück. Er kommt zu spät, er hat vergessen das Brot zu kaufen, er schenkt den Kindern zu wenig Zeit, er hat den Kindern keine Gutenachtgeschichte vorgelesen, er hat mit mir zu wenig Zeit verbracht, er schenkt mit nichts mehr, er hat meinen Geburtstag vergessen, einer der Partner gibt zu viel Geld aus, dem Hund hat man etwas falsch beigebracht usw. Wenn wir uns diese Aussagen genauer anschauen, dann sind die Situationen, die uns allen vorkommen können, nicht wahr? Warum aber, bringen sie uns so zur Weißglut und manchmal sogar zur Trennung? Die Antwort lautet, wir sehen nicht unseren Partner, sondern unsere Vergangenheit. Es ist nämlich so, dass wir Menschen unsere eigenen unverarbeiteten Emotionen und Kindheitserlebnisse auf unsere Partner projizieren. Dass bedeutet im Umkehrschluss, dass das, was der Partner sagt, macht oder nicht macht, nicht zu ihm gehört, sondern zu uns selbst. Ist es dir schon mal vorgekommen, dass du mit Freunden unterwegs warst und in einer bestimmten Situation total übertrieben reagiert hast? Später wurdest du von Freuden nach dem Grund deines „Ausrastens“ angesprochen? Niemanden außer dir, hat diese Situation so wahrgenommen wie du. Kennst du das? Das wäre ein Beispiel für eine Projektion. Und so passiert es mit dem Partner, wenn die rosa Brille nicht mehr da ist. Du bist wütend auf irgendwas, was gar nicht mit deinem Partner zu tun hat. Nicht selten hören wir dann unseren Partner sagen: spinnst du, das ist doch irre, du hast sie nicht mehr alle, du bildest dir etwas ein, du bist verrückt geworden?! Und er hat recht. Wer ist also unser Partner? Ist es überhaupt möglich, den Partner so zu sehen, wie er ist? Ist es möglich den Partner wirklich zu sehen? Ja, ich denke schon, aber nur wenn man mit den eigenen persönlichen Themen aufgeräumt hat. Und genau das ist die Arbeit, die jede Beziehung leisten muss, um erfüllt und glücklich bleiben zu können. Ich habe noch nie mit einem Mann gesprochen, der mir bei einer Beziehungskrise über seine Frau negativ berichtete! Auch nicht in Männerkreisen. Sollte ein Mann Beziehungsprobleme haben, wird er das wahrscheinlich erwähnen, aber nie die Schuld auf seine Frau schieben. Er würde zum Beispiel sagen: ich weiß, woran es liegt, oder ich weiß nicht was sie hat, aber wir kriegen das schon hin. Punkt. Er wird auch nicht nach einer Bestätigung bei seinen Freunden suchen, weil er weißt, dass das nicht möglich ist. Eine Freu leider schon.

Was braucht also eine gute Beziehung, um glücklich und erfüllt leben zu können? Aus meiner Sicht ist es nur dann möglich, wenn jeder der Partner seine persönlichen Themen bearbeitet hat und 100% Eigenverantwortung für das eigene und das gemeinsame Leben übernimmt.

Als Eltern sind wir „Vorbilder“ für unsere Kinder. Das bedeutet, dass das Kind unbewusst alles speichert, was es sieht. Er hält das auch für richtig, ohne es nur einmal zu hinterfragen. Das Unterbewusstsein ist immer wach. Es speichert Menschen, Situationen, Gerüche, Umgebung, Farben, Geräusche, Gestik, den ausgesprochenen Ton einfach alles. Alles was wir heute so bewusst wahrnehmen und uns erklären können, sind etwa 5-10 % von unserem Unbewussten. Ist das nicht interessant? Aber was passiert dann mit dem Rest? Wie äußert sich das, wenn unser Unterbewusstsein aktiv ist? Die Antwort ist grausam. Wir reagieren körperlich auf die Dinge, die wir sehen und wissen nicht warum? So ähnlich ist der bei einer Bulimie. Der Körper meldet sich, der Magen zieht sich zusammen, der Hals bekommt keine Luft, die Wut steigt, man wird emotional, der Schrei bricht aus, das Stresssystem fährt hoch, aber wir wissen nicht, wo das herkommt. Und so suchen wir einen Sündenbock, dem wir es anhängen können. Denn uns wurde das so beigebracht, dass jemand für unseren Zustand schuldig sein muss. In diesem Fall eben unser Partner. Er steht oft für unsere unerfüllten Kindheitswünsche. Viele Paare leben nach dem Motto „mach mich glücklich“ oder „ohne dich kann ich nicht“. So zu denken ist nicht gesund. Denn eine Beziehung besteht aus Minimum zwei Personen und es ist wichtig zu erwähnen, dass hier jeder nicht 50%, sondern 100% Verantwortung trägt. Das bedeutet für diejenige Person, die unzufrieden in der Beziehung ist, dass nur sie diese Unzufriedenheit angeht und sie erst bei sich selbst schauen sollte, was genau sie unglücklich macht. Sind das Dinge, die sie sich selbst nicht gönnt? Ist es, dass sie zu wenig Zeit für sich hat? Vielleicht ist das der Job, der einen nicht erfüllt oder sogar die Freunde. Man kann keinen Menschen verändern, außer sich selbst und wenn man mit dem Partner unzufrieden ist, ist man in der Regel mit sich selbst nicht zufrieden. Viele Frauen, erwarten von ihren Männern, dass sie sie glücklich machen. Aber geht das überhaupt? Was müsste der Partner tun, damit frau zufrieden wird? Ich kann hier versichert, dass das nicht möglich ist. Allein deswegen, weil die Frauen selten sagen, was sie wirklich möchten. Warum ist das so? Weil es uns Frauen so beigebracht wurde. Frauen müssen zurückstecken! Frauen lernen von Anfang an, sich hinten an der Versorgungskette anzustellen. Erst die Kinder, dann der Mann, seine Kariere, Haushalt. Erst dies und jenes, dann die Frau. Selbst beim gemeinsamen Essen, würden sich Frauen nie als erste etwas auf den Teller tun. Die Hierarchie am Familienesstisch lautet, erst die Kinder, der Mann und dann sie. Im Endeffekt isst die Frau immer als Letzte. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass sie das Recht auf das letzte Stück hat. Das hat sie nicht. Sie darf sich das nur dann erlauben, wenn alle anderen satt sind. Habe ich Recht? Ist das fair? Warum werden Frauen zur Selbstaufgabe erzogen? Wer setzt die Regeln dafür auf?

Wenn eine junge Frau ein weibliches Vorbild zu Hause hat, das ihr eigenes Wohl zu Gunsten der eigenen Familie aufgegeben hat, selbst aber ganz andere Charakter- und Temperamentszüge aufweist, wird sie möglicherweise in ihren späteren Leben moralische und ethische Probleme mit Bezug auf die eigene Identität und ihre Frauenrolle in der Gesellschaft bekommen.

Das sind unter anderem die Gründe dafür, warum Frauen ihre Wünsche und Bedürfnisse nicht äußern können. Sie bleiben unglücklich und unzufrieden und zerstören ihre Umgebung mit ihrem Gemecker. Viele Frauen möchten, dass der Partner es herausfindet und selbst darauf kommt, was seine Frau in diesem bestimmten Moment von ihm braucht. Und genau aus diesem Grund funktioniert das nicht. Ein Mann kann so was nicht. Es ist aus evolutionärer Sicht nicht möglich. Es sei denn, es wurde ihm antrainiert. Es ist wirklich wichtig, dass man sich als Frau erlaubt, auch mal im Mittelpunkt zu stehen und vielleicht das erste Stück Kuchen zu essen?

Kariere, nein danke. Ich bin Mutter! In der heutigen Zeit, werden Frauen, die Kariere machen, als Rabenmutter bezeichnet? Warum eigentlich? Ich kenne sehr viele Frauen, die Kinder haben und Kariere machen. Und weißt du was? Die sind viel glücklicher als diejenigen, die keine machen. Und das ist noch nicht alles. Ihre Kinder und die Männer scheinen es auch zu sein. Es gibt in diesen Familien keine Unzufriedenheit oder Gemecker. Diese Familien funktionieren anders. Sie leben miteinander und berauben sich keine Freiheiten. Sie leben einfach leichter.

Eine erfüllte Beziehung zu haben, bedeutet in einer Partnerschaft zu leben, in der beide Partner voll und ganz zu sich selbst und zu ihren Partnern stehen. In die beiden Partner ihr eigenes Ding machen dürfen und dem anderen dabei unterstützen. Erfüllte Partnerschaften sind die, die Probleme gemeinsam meistern und nicht erfinden. Ein Paar ist wo man sich Freiheiten gibt, statt sie derer zu berauben. Ein glückliches Paar weiß, was das Füreinander bedeutet. Es ist ein Paar, was nach eigenen Werten, Moralen und Regeln lebt. In diesen Partnerschaften fehl es weder an Wertschätzung noch an Respekt. Ein erfülltes Paar lebt seine Leidenschaft, anstatt nur über sie zu sprechen. Es ist noch nicht so lange her, da hat man behauptet: „hinter jedem starken Mann, steht auch eine starke Frau“. Heute weiß man, dass das nicht stimmt. Eine starke Frau steht niemals hinter ihrem Mann, sie steht neben ihm! Augenhöhe in der Beziehung ist enorm wichtig. Alles, was wir vom Partner erwarten, können wir, wenn es uns wichtig ist, auch selbst tun. Es sei denn, wir möchten uns ärgern, enttäuscht werden und schlecht gelaunt sein. Ab dem Moment, in dem jeder 100 % Eigenverantwortung in der Beziehung trägt, gibt es keine Erwartungen mehr, sondern Selbsterfüllung.


In jeder Beziehung gibt es fünf Phasen: 1. Verliebtheitsphase, 2. Ernüchterungsphase, 3. Machtkämpfe (die meisten Scheidungen überleben diese Phase nicht), 4. Findungsphase, 5. Ankommen (ohne Masken und Versteckspiel). Ein neues Level in der Beziehung wird erreicht.

Jede Beziehung, die sich traut, all diese Phasen zu erleben und zu meistern, wird am Ende unbesiegbar bleiben.

Deine Bernadeta

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